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Lust & Laune

Der kreative Wahn der Elenor Avelle

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Alles gegeben

Die Leipziger Buchmesse ist vorbei und es will sich kein richtiger Messeblues einstellen, auch wenn ich all die lieben Menschen vermisse, die ich in Leipzig um mich haben durfte und den Spaß. Das liegt vermutlich einfach an meiner bodenlosen Erschöpfung. Fazit: Es war anstrengend genial.

Gemeinsam mit meinen Nornenschwestern, habe ich die erste Messepräsentation des Nornennetzes, dem deutschsprachigen Netzwerk für Fantastikautorinnen, gestemmt. Unser Stand war ständig voll, von Donnerstag bis Sonntag, die Besucher waren klasse und die Resonanz großartig.

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Leider sind nicht alle Nornen, die auf der Messe waren, auf diesem Foto, aber ihr findet viele weitere Impressionen auf den Nornennetzkanälen.

Als Norne bin ich vollauf glücklich über unseren gelungenen Einstand und unendlich dankbar für unser Teamwork.
Die schönen Einzellesungen unserer Nornen werde ich verlinken, sobald es möglich ist. Hier schon mal der Link zur Talkrunde, die Stella Delaney geleitet und Katherina Ushachov, Nike Leonhard und Nora Bendzko geführt haben.
Unsere Standnachbarn waren auch klasse. Besonders das Team von Farina de Waard.

Für mich als Autorin war die Messe auch ein großer Erfolg. Gleich am ersten Tag kam ein Fan und wollte ein Autogramm von mir. Ich war vollkommen überrascht und dieser Moment der seligen Verblüffung sollte nicht der einzige bleiben.
Durch meine Nominierung auf der Longlist für den Seraph2018, waren mein Buch auch in der Phantastik Buchhandlung erhältlich und zum Schluss der Messe ausverkauft.


Herzlichen Glückwunsch nochmal an dieser Stelle, an meine Kollegin und Nornenschwester Janna Ruth, die den Seraph gewonnen hat.

Main allgemeiner Blick auf die Messe fällt auch positiv aus. Ich bin zwar nicht viel rum gekommen, aber was ich gesehen habe, hat mir gut gefallen. Die Organisation durch die Messe war sehr gut und die Mitarbeiter freundlich. Besonders loben möchte ich die Ordner in der Halle. Sie waren ungemein hilfsbereit und gut gelaunt. Das war großartig.
Ein weiteres Highlight war für mich das Essen.img_0203 Es mag banal erscheinen, aber die Rosmarinkartoffeln in Halle 2 waren ein Genuss und da ich nur zum Essen eine Pause eingelegt habe, mein besonderer Entspannungsmoment. Ich hoffe sehr, dass es die nächstes Jahr auch wieder geben wird.
Über das Wetter will ich jetzt gar nicht mehr viel sagen, das habt ihr bestimmt schon an anderer Stelle gesehen und gelesen. 7583955760_img_0183Die einzige Anmerkung dazu, zwischendurch hätte ich einen Regenschirm gebraucht, da es auf den Brücken und in der großen Halle reingetropft hat.
Die Phantastikecke hat mir am besten gefallen. Dort war es stets lebhaft, bunt und fröhlich.

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Messewahn

Es hat seinen Grund wieso dieser Blog „Der kreative Wahn“ heißt. Ich bin verrückt und zwar danach, für Events alles zu geben.
Letztes Jahr konnte ich nicht zur LBM und dieses Jahr wäre ich vermutlich auch nicht hingefahren, wenn es da nicht ein paar genauso verrückte Buchmenschen gäbe, wie mich. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen vom Nornennetz bin ich in Halle 2 an Stand J303 und wir wollen unseren Messeeinstand nicht simpel halten, wir wollen es krachen lassen.
Dafür habe ich, gemeinsam mit meinen Nornenschwestern, in den letzten Monaten geackert. Um euch ein paar Zahlen zu nennen: Ich habe in 165 Arbeitsstunden 13 Boxensets gebaut und mit Lesezeichen bestückt. Dafür sind 25 Pappen A0 draufgegangen, eine Teppichmesserklinge, 19 Heißklebestäbe und 480 ml Acrylfarbe.BoxenInhalt Box
Aus Pappmaché ist ein Kelch entstanden und nebendran habe ich Druckfolien geschnitten, um T-Shirts mit Namen zu versehen.Hemden
Währenddessen haben meine Kolleginnen Grafiken erstellt, Lose gebastelt, Budgets gewälzt, Deko sortiert, Drucksachen bestellt, Buttons gepresst und tausend andere Dinge erledigt, die unseren Messestand bereichern. Und wofür das alles? Um unserer Leidenschaft für Bücher und das Schreiben Ausdruck zu verleihen.
Ich bin ungemein gespannt, wen ich auf der Messe alles treffen werde. Ich hoffe auf viele neue Bekanntschaften, Unterhaltungen mit Bloggern, Lesern, Autoren, eine tolle Zeit unter dem gemeinsamen Gedanken, wie sehr wir Geschichten lieben.
Ich bin sehr gespannt, was mich alles erwartet. Wenn ihr mich sucht, ich bin die mit dem roten Hut. Und wenn ihr eine meiner Survivaldosen wollt, dann nennt mir die Losung: „Denk nicht an die Toten!“Dosen

Der chauvinistische Welpe und die revolutionäre Jungfrau

Es ist nicht so lange her, da habe ich mir den Film Valerian angesehen. Mir hat der Trailer gefallen und ich bin in allen Aspekten ein Liebhaber von Science Fiction Geschichten. Die Erwartungen waren nicht sehr hoch, da ich außer dem Trailer sonst keine Hintergrundinformationen hatte und dann wartete der Film mit einem kolossalen Start auf. Bildgewaltig, detailreich und fantastisch. Die Alienvölker, die Animationen, die Choreografie, die Musik, der Humor, alles stimmte, um diesen Film zu einem meiner neuesten Lieblingsstreifen werden zu lassen.
Dann lagen die beiden Hauptprotagonisten Valerian und Laureline – beide hochrangige Agenten der Regierung der menschlichen Territorien – plötzlich in einem künstlichen Strandambiente aufeinander, als Laureline ihrem Vorgesetzten Valerian die neuen Befehle weitergeben will und er sie daraufhin anmacht. So weit so gut, kann man machen. Er ist ein Weiberheld und zieht alle Register, um bei ihr zu landen. Sie ist eine gebildete, eigenständige Soldatin, die weiß, dass das nicht gut gehen kann und lässt ihn abblitzen. Dass Valerian den ganzen Film hindurch wieder und wieder versucht, bei ihr zu landen ist auch unproblematisch, da es zu dem Charakter passt, der ihm zu Beginn zugesprochen wird.
Was mir den ganzen Film allerdings verdorben hat, war die erzwungene Charakterwandlung. Sie beginnt von seiner Seite mit, „Ich bin ein Arschloch, aber du wirst mich trotzdem nehmen!“ und endet von ihrer Seite mit, „Ja ich heirate dich.“ Als ein Mensch, der immer und überall Liebesgeschichten genießen kann, habe ich meine Freunde schockiert, als ich sagte: „Diesem Film hätte es wirklich gut getan, wenn sie die Liebesgeschichte gestrichten hätten. Die hat ihn kaputt gemacht.“ Und genau so empfinde ich den Film. Als der Abspann lief, saß ich da und wollte mich über die tollen Eindrücke freuen, konnte es aber nicht, weil ich so genervt war.
Charaktere leben von ihrer Authentizität. Autoren wissen, dass es essentiell ist ihnen Tiefe zu geben, über ihre Beweggründe nachzudenken und ihrem Handeln einen Sinn zu geben. Charaktere können sich wandeln, aber das geht nur, wenn es dafür auch Ursachen gibt. Wer wacht schon morgens auf und stellt fest: „Ey, ich habe mein Verlangen nach Abwechslung bei Frauen verloren, ab jetzt bin ich treu.“
Kaum hatte ich mich halbwegs in einen der beiden Hauptcharaktere hineinversetzt, wurde ich wieder hinaus katapultiert, angefangen bei Laureline. Sie ist eine Agentin der Zukunft, ein Sergeant mit Kampferfahrung, die in einem Zweier-Team Regierungsaufträge auszuführen hat. Aber wie zum Teufel ist sie auf diesen Posten gelangt? Ständig gerät sie in Schwierigkeiten und soll geopfert werden, wie eine Prinzessin aus dem Märchen und statt sich selbst zu helfen, schreit sie in einer Tour „VALERIAN“ damit er kommt, um sie zu retten. Das passt einfach nicht zusammen und ich fragte mich: „Was denn nun, ist sie eine hilflose, kreischende Prinzessin oder eine widerspenstige, kampflustige Agentin?“ Es gibt beides und für beides kann ein Autor sich entscheiden, aber die starke Agentin der Zukunft ständig nach ihrem Partner kreischen zu lassen, wenn sie mal wieder in Gefahr ist, geht gar nicht. Ihr ab und an aufpoppender Eigensinn ist es auch, der sie ständig in Käfigen enden lässt, denn die doofe kleine Agentin macht einfach nicht das, was ihr cooler Held sagt, nämlich draußen warten. Das ist eine häufige Anweisung an unsere Protagonistin, sie soll draußen aufpassen und darf nicht mit. Was ist denn das für ein Team und wie zum Teufel ist sie so Sergeant geworden?
Aber nicht nur Laureline ist ein Bäumchen wechsel dich, auch unser artistischer Superagent Valerian ist ein Charakterchamäleon. Eigentlich ist er ein Chauvinist, der eine Hitlist seiner Eroberungen führt und möchte Laureline dieser Liste gerne hinzufügen. Soweit war er als umtriebiger Macho glaubwürdig. Doch dann bekehrt unsere holde Maid den Helden irgendwie (seinen Namen zu kreischen war vielleicht eine Zauberbannformel. Auf mich hat es jedenfalls gewirkt, denn mich überkam dann immer ein Bedürfnis sie zu würgen), und er erkennt zwischen den zahllosen Rettungsmanövern und dem tollen Teil der Science Fiction Handlung, was wahre Liebe ist und platzt mit dem Heiratsantrag heraus. Mit seinem unwiderstehlichen Welpenblick ist die Wandlung zum Helden ohne Fehl und Tadel dann komplett. An der Stelle dachte ich nur noch „AUA“ und wünschte mir die ganze Liebensbeziehung weg.
Im Nachhinein habe ich mich gefragt, woran es lag, dass die Charaktere so merkwürdig gestaltet waren. Lag es daran, dass sie Grundgeschichte aus Comics aus den 60er Jahren stammt und Frauen zu der Zeit als Figur zwar was hermachten, aber dann bitte als Kommunikationsoffizier, wartend vor der Tür oder als zu rettendes Objekt? Es kommt mir fast vor, wie der Zwang die 60er Jahre Frauenfigur zu modernisieren und sie stark darzustellen. Doch das ist leider missglückt. Es wäre schön gewesen, wenn sich die Macher des Films für einen glaubwürdigen Charakter entschieden hätten. Geltungsbedürfnis und Untreue lassen sich nicht mit einem magischen Zauberkreischen aus der Welt schaffen und Frauen verfügen nicht über die Allmacht aus Machos integrere Gentlemen zu formen. Wieso sich die Geschlechterbilder vom bekehrten Badboy und der schwachen Revolutionärin momentan einer so großen Beliebtheit erfreuen, verstehen ich nicht. Sie sind ein Wiederspruch in sich. Sehr schade.

Der legalisierte Täter

Wenn du nicht willst, dass du Schaden nimmst, dann pass dich an. Diese Mentalität verfolgt mich schon mein ganzes Leben.
Ich war in der Schule nie beliebt, denn ich habe so viele Ecken und Kanten, dass ich ständig hängen bleibe. Als Erwachsene spielt es kaum noch eine Rolle, aber als Jugendliche, tat ich mich schwer. Ich habe einfach nicht getan, was alle getan haben. Stattdessen hatte ich mit Fünfzehn noch Barbies, weil meine Mutter umwerfende Kleider und Accessoires genäht hat und ich mit Wonne aus Schachteln Möbel gebastelt habe. Ich habe meine Disney-Stickerhefte nicht versteckt, sondern in der Schule dabeigehabt und ich habe auch als Teenager noch mit meinem Stofftier geschlafen und kein Geheimnis daraus gemacht. Meine Klamotten waren gemütlich und bunt. Ich habe nicht geraucht, nicht getrunken, kein Make-Up benutzt. Ich war out, ein Loser, wie er im Buche steht. Dafür habe ich viel einstecken müssen, denn wer sich nicht anpasst, lädt quasi dazu ein, mit der Heckenschere anzurücken, um zurechtgestutzt zu werden.
Bei meinem Sohn erlebe ich es erneut. „Er muss härter im Nehmen werden“, ist der allgemeine Ratschlag.
Merkt ihr was? Täter sein ist okay. Die Botschaft: Wenn du ein Opfer bist, dann machst du was falsch.
Genau das spiegelt auch die aktuelle Debatte zum Hashtag #OhneMich wieder. Hierbei geht es wortwörtlich um eine andere Verpackung, aber der Inhalt ist der gleiche. Die Täter werden in Schutz genommen und die Betroffenen dazu aufgefordert sich zu ändern, damit sie die Täter nicht provozieren. Aber klar, wenn schon bei Kindern und Jugendlichen kommuniziert wird, dass es vollkommen normal ist, Täter zu sein, dass es an der Provokation durch die Opfer liegt, dann werden diese Kinder auch als Erwachsene Täter bleiben.
Die #OhneMich Diskussion ist viel mehr, als die Frage, ob Frauen lieber schwarze, flatternde Kutten ohne Make-Up tragen sollten. Es geht um unsere Einstellung zum Unrecht.

Das ist keine Toleranz, das ist dem Hass eine Bühne geben

Ich war in diesem Jahr das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse. Einen ganzen Tag habe ich für dieses Event reserviert und das, obwohl ich im Oktober keine Termine frei habe. Doch es war mir sehr wichtig, nachdem ich mich ein Jahr lang als Autorin in die sozialen Medien eingearbeitet habe, einen Eindruck von der Frankfurter Buchmesse zu gewinnen. Mein Interesse war vielschichtig und ich hatte einen Plan, welcher Artikelthemen ich mich annehmen will.

Mein Messebesuch war fantastisch. Von elf bis achtzehn Uhr war ich am Samstag an der Seite von Eva-Maria Obermann auf dem Gelände unterwegs. Es gab so viel zu sehen, dass ich zwischenzeitlich von den Eindrücken erschlagen war. Ich merkte schnell, dass es die Fachbesuchertage nicht ohne Grund gibt, denn in dem Gewühl, das am Wochenende in den Hallen herrscht, ist es so gut wie unmöglich, Recherche zu betreiben und sich Zeit für ein entspanntes Gespräch zu nehmen.
Am wertvollsten erschien mir in dieser Hinsicht tatsächlich die Zeit, die wir pausiert haben. Während Eva für eine Widmung von Valeria Docampo anstand, habe ich in Ruhe die Menschen um mich herum beobachtet. Die Vielfalt der Stände war mir schon aufgefallen. Aber auch die Besucher waren von überall hergekommen. Eltern hatten ihre Kinder dabei, und unter ihnen war nicht nur das klassische Familienmodell, Freunde jeden Alters waren zusammen unterwegs, Menschen in Kostümen tummelten sich dazwischen und ich hörte viele verschiedene Sprachen. Die Stimmung war offen und frech. Gerade in Anbetracht dessen, dass ich mir der kontroversen Diskussion über die Verlage, die der rechten Szene zugeordnet werden und ebenfalls auf der Messe einen Standplatz erhalten hatten, bewusst war, haben mich die schönen Eindrücke versöhnt.
Ich fuhr in der Gewissheit nach Hause, dass ich einen Artikel über genau dieses Thema schreiben will: Bücher sind bunt und das ist die Messe auch.
Kaum war ich Zuhause angekommen und wollte meine Fotos online stellen, las ich die ersten Mitteilungen zu den Ausschreitungen, die kurz nachdem ich gegangen war, losgegangen sein müssen. Ich las den Namen Höcke und runzelte irritiert die Stirn. Politik auf der Buchmesse? Dann folgte die offizielle Stellungnahme der Messeleitung, und ich fiel aus allen Wolken. Da kommt es zu gewalttätigen Übergriffen und die Reaktion dazu ist, wir verurteilen das, aber waschen unsere Hände in Unschuld? Wer tolerant sein will, der muss auch andere Meinungen tolerieren, ist das Entschuldigungsmäntelchen, in das die Verantwortlichen schlüpfen. Doch ist ihnen nicht bewusst, dass sie ihre Grundsätze aushebeln, wenn sie Messeteilnehmer zulassen, die sich aggressiv gegen Toleranz stellen? Toleranz ist nicht unendlich. Sie endet dort, wo die Intoleranz beginnt. So ist es auch mit der freien Meinungsäußerung. Sie entschuldigt keine Straftaten. Beleidigungen und Hetzreden fallen nicht mehr unter den Schutz des Grundgesetzes und das aus gutem Grund, denn ohne Grenzen herrscht Anarchie.
Die Messeleitung hat sich bewusst dazu entschieden, diese Grenzen nicht einzuhalten. Stattdessen wird Menschen eine Bühne geboten, die vor Gewalt nicht zurückschrecken. Das ist keine Toleranz mehr, sondern Förderung rechtsradikaler Inhalte.
Ich kann meinen Artikel zur bunten Buchmesse nicht mehr schreiben und ich will es auch nicht. Denn das Schlimme daran ist, dass es schon von Beginn an falsch war. Wie können wir uns für unsere Toleranz und Offenheit selber auf die Schulter klopfen, wenn zugelassen wird, dass direkt neben uns Angst und Hass geschürt werden. Was nun?
Die Frankfurter Buchmesse 2017 ist vorbei. An dem, was dort geschehen ist, können wir nichts mehr ändern. Aber wir können daraus etwas lernen. Es ist an uns, dem Hass keine Bühne zu geben, weder auf der Buchmesse noch außerhalb. Wir dürfen nicht schweigen. Gerade in Anbetracht dessen, dass Bilder von der Frankfurter Buchmesse auf einschlägigen rechten Profilseiten dazu genutzt werden, gezielt nach der Identität vermeintlich linksradikaler Personen in der Menge zu suchen, als wären wir kurz davor, die SS wieder auf die Straßen zu schicken. Liebe FBM Leitung, das muss doch endlich mal Konsequenzen haben.
Was die Buchmesse 2018 angeht: Sollte die Messeleitung auch dann wieder Verlage mit rechtsradikalen Inhalten zulassen, müssen wir zusammenfinden.
Schon dieses Jahr hatten wir im Nornennetz überlegt, uns zu einem Flashmob zu formieren und zu singen. Wir wollten so unseren Protest gegen Hass und Gewalt zum Ausdruck bringen. Genau das sollten wir alle 2018 tun, so laut singen, dass der Hass nicht mehr zu hören ist. Singen statt schreien. Denn die Messe gehört den Büchern und nicht der Gewalt.

Andere Artikel zu dem Thema:
Sven Hensel #FBM17 – Frankfurter braune Messe 2017
Nike Leonhard Buchmesse, Meinungsfreiheit und rechte Verlage
Bücherkrähe Nazis auf der FBM, Blogger gegen Blogger, und was wir tun sollten
Jasmin Zipperling Warum es keinen Die-FBM-war-so-mega-toll-Beitrag geben wird
Inko f Books Nazis auf der FBM, das Paradoxon der Intoleranz und die Reaktionen darauf
Schreibtrieb Die Buchmesse: von Vielfalt und Reaktion
Wiebke Tillenburg Nazis auf der Buchmesse

Der Mechanismus des Wahnsinns


Es ist gar nicht so lange her, da hatte ich eine Zweite-Weltkrieg-Phase. In dieser Phase las und hörte ich Geschichten über Weltereignisse, die sich mit den Schrecken befassen, wenn Menschen im Rudel austicken und anfangen, sich gegenseitig und systematisch zu quälen und umzubringen. Das Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber den Geschehnissen in der Welt war an meiner Phase bestimmt nicht unbeteiligt.
Ich schätze Ken Folletts historische Romane. Sie beleuchten in lebendiger Weise Aspekte, die mir in der Schule mit knochentrockenen Fakten nach der zehnten Wiederholung zu den Ohren rausquollen, und erzählen mir von ganz anderen Blickwinkeln, die im Rahmenplan aus Zeitmangel jedes Mal unter den Tisch fielen.
In Winter der Welt erleben wir unter anderem eine deutsche Familie, die an die Demokratie glaubte, bis sie unter den Machenschaften der NSDAP zerbricht. Diese Partei wurde nicht von der Mehrheit der Deutschen gewählt, doch ihre Skrupellosigkeit überraschte die Demokraten, und dann war es zu spät. Gewalt überrollte die ungläubigen Bürger, Hass steckte frustrierte Menschen an, und der Mechanismus des Wahnsinns war aktiviert.
Dieser Punkt ist es, der Mechanismus des Wahnsinns, der mir im Augenblick die meiste Angst macht. Wir leben in einem Land, in dem wir an Bequemlichkeit gewöhnt sind. Wir haben Erste-Welt-Probleme. Deshalb gehen wir davon aus, dass sich jeder Mensch, bis auf ein paar unrühmliche Ausnahmen, stets seiner Vernunft bedient, um Entscheidungen zu treffen. Wir sehen zwar, dass es in anderen Ländern anders läuft, aber das sind für uns nur Gedankenkonstrukte, wie die Geschichtserzählungen über den Zweiten Weltkrieg. Es ist für uns nicht real genug, um zu erkennen, dass der Mechanismus des Wahnsinns überall ausgelöst werden kann.
Die Geschichte ist voller Beispiele dafür, dass die niederen Triebe in uns lauern, wie ein Herpesvirus. Sobald unser Immunsystem (hier wäre es, die Fähigkeit logisch zu denken) durch äußere Einflüsse (beliebtestes Mittel ist die Angst) geschwächt wird, schlägt das Virus zu. Vorrangige Triebe, die unsere hochgelobte Fähigkeit, uns durch den Verstand und die Vernunft vom bloßen Tier zu unterscheiden, außer Kraft setzen können, sind Hass, Neid und Gier.
Ich habe vor kurzem Free State of Jones gesehen. Zum einen fand ich den Film sehr interessant, weil er, ähnlich wie Winter der Welt, Mitternachtsfalken und Die Leopardin von Ken Follett, ein Thema aufgreift, das zwischen den kolossalen Ereignissen der aufeinanderprallenden Kräfte kaum zur Sprache kommt. Kriegsgeschichten reduzieren uns auf die Bevölkerungsgruppe, zu der wir gehören, ungeachtet dessen, was wir zu der Zeit tatsächlich getan haben. Wenn wir an die Südstaatler denken, dann ist das die Gruppe von Leuten, die Sklaven gehalten hat und dafür in den Krieg gezogen ist, um das Unrecht aufrechtzuerhalten. Genauso ergeht es den Deutschen mit dem Zweiten Weltkrieg. Wir teilen die Gruppen in Gute und Böse auf, auch wenn wir natürlich wissen, dass es unter den Guten auch Leute gab, die schlimme Dinge getan haben und unter den Bösen Menschen, die alles geopfert haben, um das Richtige zu tun.
Wir fragen uns trotzdem, warum die Guten unter den Bösen nicht mehr getan haben. Oft sind es nur sehr wenige wirklich kranke Menschen, die solche Untaten initiieren und Kriege vom Zaun brechen, um ihre Triebe zu befriedigen. Aber warum folgen wir ihnen? Warum lassen wir uns von ihrem Wahnsinn anstecken?
Ich denke, dass es daran liegt, dass Hass und Wut zu allem bereit sind, während das Gewissen uns zur Mäßigung anhält. Weil es leichter ist, nichts zu tun. Weil wir unsere Ängste überwinden müssen, die gekonnt gegen uns eingesetzt werden.
Der Mechanismus des Wahnsinns wandert, bleibt gerne länger, wo Armut und Hunger alles noch schlimmer machen. Aber er macht auch vor unserer Tür nicht halt. Er hat uns wieder erreicht Der Spruch ˈWehret den Anfängenˈ hat mehr Bedeutung, als die bloße Aufforderung, nicht mitzumachen. Hier geht es darum, zu erkennen, wenn sich jemand anschickt, den Mechanismus des Wahnsinns erneut zu starten. Denn wenn es erst einmal losgeht, dann ist es zu spät. Einen Zug davon abzuhalten, loszufahren ist leichter, als ihn zu stoppen, wenn er erst einmal in voller Fahrt ist. Darum ist es jetzt wichtig, nicht darauf zu warten, was passiert und zu hoffen, dass die AfD vernünftig sein wird. Die NSDAP hatte auch keine Mehrheit, aber ihre Anführer waren zu allem bereit. Wir dürfen nicht akzeptieren, wenn Unrecht begangen wird. Wir schreiben und klären auf mit #wirschreibenDemokratie.

Weitere Beiträge zu dem Thema:
Frau Schreibseele
Nike Leonhard
Möchtegernautorin
Nora Bendzko
Büchnerwald

Lass deine Taten sein wie deine Worte. Und deine Worte wie dein Herz. (Ludwig Uhland)

Die innere Social-Media-Schlacht

Vor einem Jahr habe ich als Autorin den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt.

Die veränderten Strukturen auf dem Buchmarkt, machen es immer schwerer einen Verlag zu bekommen, denn die Verlage legen lange nicht mehr so viel Wert auf ihre Midlist wie früher. Wer keinen Namen hat, bekommt nur selten die Chance sich einen zu machen.

Die Alternative ist das Selfpublishing. Zu einem kleinen Preis können Autoren ihre Bücher über einen Anbieter wie BoD selbst verlegen. Das bedeutet eine Menge Eigenarbeit und Selbstverantwortung. Für einen Neuling ist das ein kaum zu überblickendes Feld an Fragen und Möglichkeiten.

Wichtig beim Selfpublishing, du bist dein eigener Werbemanager. Wenn du keine Werbung für dein Buch machst, dann macht es keiner.  Ich habe mir einen Namen gegeben und bis ins WWW hinaus geschwommen. Mein Resümee, es ist ein Abenteuer. Mittlerweile habe ich einen Twitteraccount, ein Facebookprofil nebst Seite, einen Instgramaccount, eine Website und bin bei YouTube. Ich habe Tipps inhaliert, wie man die einzelnen Seiten bedienen sollte, habe Pläne erstellt um Inhalte zu bieten und mich damit verrückt gemacht, liefern zu müssen. Nach einem Jahr intensiver Nutzung sozialer Medien, habe ich die himmlischen und die teuflischen Seiten des öffentlichen Autorenlebend im Internet durchlebt.

Was ich für die Zukunft daraus gelernt habe ist folgendes:

  • Es ist wunderbar und unersetzlich sich über die sozialen Medien mit anderen Autoren zu vernetzen.
  • Probiere alle Kanäle und Möglichkeiten aus
  • Lies die Tipps und Tricks, die du bekommen kannst

und dann

  • Finde dein eigenes Ding
  • Nutze die Kanäle, mit denen du gerne arbeitest
  • Mach es so, wie es für dich funktioniert

Es ist so einfach in einen medialen Wahn zu verfallen und dabei die Leidenschaft zu verlieren. Soziale Medien fressen enorm viel Zeit und es ist wichtig zu lernen, sie auch mal beiseite zu lassen. Nicht jede Plattform liegt dir und das ist okay, denn das was du mit Leidenschaft betreibst, ist das, was dein Publikum zu schätzen weiß.

Ich persönlich habe ein großes Problem damit regelmäßige Beiträge zu machen. Aber ich bin nun einmal ein Phasenmensch. Was kommt, das kommt, wenn es eben kommt. Dafür kommt es mit all meiner kreativen Leidenschaft.

Ungewöhnliche Helden und mein neues Logo

Wochenlang habe ich jetzt an meinen Visitenkarten gebastelt und designt. Dabei ist auch gleich mein neues Logo entstanden.

Lustiger weise war der rote Hut eigentlich gar nicht geplant. Er kam per Zufall und jetzt kann ich ihn mir nicht mehr wegdenken. Er gehört zu meinem Autoren-Ich dazu.

Während ich meine Visitenkarten entworfen habe, dachte ich die ganze Zeit: Du bist so langsam. Das muss alles schneller gehen. Du hast schon wieder nichts getweetet oder gepostet. Instagram müsste mal wieder bedient werden. Deine WordPressseite müsste viel öfter Beiträge bringen. Du musst mehr lesen, damit du Bücher rezensieren kannst. Das Buch des Monats im August schaffst du nicht.

Die Sozialen Medien und die Werbung, die man dort für sich und seine Werke machen muss und das Netzwerken, das alles ist große Klasse, aber es frisst auch sehr viel Zeit und wenn ich dauernd daran denke, dass ich meinen eigenen Ansprüchen nicht genüge und mehr machen müsste, dann kostet es mich auch die gute Laune.

Dann denke ich an Sisyphos und stelle fest, wie so oft, dass er mein Held ist. Es motiviert mich an ihn zu denken, der Sache einen Namen zu geben und irgendwie fühle ich mich dann nicht mehr machtlos und klein. Warum, weiß ich nicht genau.

Jetzt lehne ich mich zurück, genieße den Anblick meiner fertigen Visitenkarte und meines Logos, ich genieße die Ferienzeit mit meinen Kindern und spiele mit ihnen.

Ich schaffe das, was mir möglich ist und gebe mein Bestes, mehr sollte ich von mir selbst auch nicht verlangen und anerkennen, was ich geleistet habe, dass ich Freude daran hatte und stolz auf mich sein kann.

Jetzt wird es persönlich

Es gibt so viel zu tun und so viel zu arbeiten, aber ich will euch den dritten Teil von #BuchdesMonats Juli nicht vorenthalten. Normalerweise schreibe ich in diesem Teil alle Gedanken auf, die mir beim Lesen so durch den Kopf schießen, aber da es hier um mein eigenes Buch geht, muss ich das ganze ein wenig anders aufziehen.

Als Autoren kennen wir es alle, den Eigenwillen unserer Charaktere. Auch die Figuren aus Infiziert haben einen starken Eigenwillen. Da ich nicht viel plotte, wenn ich eine Geschichte zu Papier bringe, ist das auf der einen Seite gut, weil sie mir mit ihren Sperenzchen bei der Entwicklung des Plots helfen, auf der anderen Seite wundere ich mich zum Schluss, wo die Leute hin sind, die ich mir eigentlich vorgestellt habe und wer diese ganzen anderen Typen sind.

Infiziert begann mit einem Traum. Wir waren in einem Haus mit Ikea Möbeln und unbehandelten Fensterrahmen, die nach Holz gerochen haben. Keine Ahnung was das für seltsame sensorische Details waren, aber diese Kleinigkeiten haben sich so sehr eingeprägt, dass sie mir auch nach Jahren noch voll bewusst sind. Draußen stromerten die Untoten durch einen Familiengarten, in dem eine Kinderschaukel stand. Die Frau von der ich träumte war tough, während alle anderen total panisch schrien und damit natürlich eine Hetzjagd eröffneten. Zombies wollen schließlich fressen. Und dann waren da noch die Anderen, geheimnisvolle Leute, von denen man sich fernhalten sollte. Kernszene des Traums war die Begegnung der Heldin mit einem der Anderen. Sie rutschte über Schotter ins Halbdunkel einer alten Steinbrücke. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Doch statt Untoter traf sie unerwartet auf ihn, wie er dort mit seinem Motorrad stand und nach irgendwas suchte. Mehr Geschichte offenbarte mir der Traum nicht, aber er war so voller Impressionen und Emotionen, dass ich daraus eine Geschichte entwickelt habe.

Wie Charlie zu ihrem Namen kam ist auch eine Erzählung wert. Ich hörte damals ständig Replay von Iyaz. Ich sang immer lauthals mit, weil ich fand, dass der Text ganz toll aus der Sicht von unserem geheimnisvollen Liam gesungen werden könnte, der die Heldin nicht mehr aus dem Sinn bekommt. Ich sang, Charlie´s like a melody in my head, und dachte, hey, Charlie ist doch ein toller Name für meine Heldin. Später musste ich dann feststellen, dass er gar nicht Charlie, sondern Shawty singt, aber noch heute singe ich stattdessen Charlie. ^^

Vom Grundkonzept sollte es also eine Liebesgeschichte im Zombiesetting werden. Die Liebesgeschichte ist in Grundzügen auch geblieben, doch sie rückte mehr und mehr in den Hintergrund, als plötzlich die Leute durchdrehten, diese geheimnisvollen Anderen, und nach mehr Raum in der Geschichte verlangten. Es tauchten ganz neue Leute auf und wollten mitmachen. Meine Charaktere sahen die Welt ganz anders als ich. Rafael, der Anführer von Charlies Gruppe zum Beispiel, war nie so beschützend und eifersüchtig geplant und Gill kam unangemeldet daher und entwickelte sich zum Lieblingscharakter der Testleser. Die Zombies selbst hatten auch so ihre Vorstellung warum sie in der Geschichte vorkommen wollen und das es eine Botschaft ist und kein schlichter Unterhaltungswert.

 

Da viele Gill so lieben und einige sich mehr Informationen über das Davor gewünscht haben, entstand ein Spin-Off mit Gill als Hauptcharakter. Er war sehr eigenwillig und hat darauf bestanden, mehr von dem Davor zu erzählen, als ich eigentlich geplant hatte und unverhofft sind ein paar neue Figuren dazugekommen, die auch den Hintergrund der Anderen noch mehr beleuchten. Der Arbeitstitel ist Gefesselt und wird Infiziert in die Öffentlichkeit folgen.

Im letzten Teil von #BuchdesMonats kommt noch mein Fazit. Auch das wird ein wenig anders als sonst. Seid gespannt.

 

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